"Ich bin ein ziemlicher Morgenmuffel"

Interview mit sebastian bezzel — Er ist Everybody's Darling und der derzeit vielleicht charmanteste bayrische Schauspieler: Sebastian Bezzel. Nun ist er am 5. Dezember mit seinem Film "Dampfnudelblues" im Ersten zu sehen. Wir haben mit ihm über Kindererziehung und bayrischen Humor gesprochen

Diese Rolle scheint wie für ihn gemacht: Sebastian Bezzel (42) ist als Polizeihauptmann Franz Eberhofer in der Rita-Falk-Verfilmung „Dampfnudelblues“ in jeder Sekunde ein Genuss. Die bayerischen Wurzeln kann er auch privat nicht leugnen – obwohl der gebürtige Garmisch-Partenkirchner der Liebe wegen nach Hamburg zog, wo er inzwischen seit fünf Jahren mit seiner Frau Johanna Christine Gehlen (43), dem zweijährigen Sohn und der einjährigen Tochter lebt. Ein Interview über Kindererziehung, schlechte Laune und den bayrischen Humor.

Welcher Typ Mann sind Sie? Eher Macho oder Gentleman?
Ich glaube, ich bin eher der defensive Gentleman. Es kann schon mal sein, dass ich meiner Frau nicht die Tür aufhalte. In einer langen Beziehung ist das eher so: Ich mache ein paar Sachen, ohne dafür ein großes Dankeschön zu erwarten. Wenn meine Frau also am Theater probt, und ich hüte die Kinder tagsüber, dann erwarte ich abends nicht, dass sie sagt: „Oh toll, und die Wäsche hast du auch noch aufgehängt!“ Sie hat mir so oft den Rücken freigehalten, wenn ich ein tolles Angebot bekam, dabei hätte sie mich auch gebraucht mit den Kindern – da finde ich es nur fair, wenn ich mal ein berufliches Angebot absage und lieber mit den Kindern in den Park gehe.



Wie kann man Sie sich als Vater vorstellen? Eher streng oder eher sehr liebevoll?
Meine Tochter ist noch zu klein, um da streng zu sein – aber mein zweijähriger Sohn fängt langsam an, Grenzen auszutesten. Und das ist manchmal eine unglaubliche Gedulds- und Nervenprobe. Grundsätzlich ist er ja wahnsinnig süß, und ich bin begeistert von ihm. Aber es gibt Momente – wenn da nicht etwas so läuft, wie er will, setzt er ein falsches Heulen auf. Letztens ist er total ausgeflippt und hat versucht, Teller auf den Boden zu schmeißen. Und da denke ich schon: Bis hierher und nicht weiter! Wir haben dann ein lautes und ernstes Gespräch unter Männern geführt. Und nach dem Essen haben wir Lego gespielt, dann war alles wieder gut… Das muss man eben ab und zu.

Können Sie – wie der typische Bayer – auch so richtig grantig sein?
Oh ja! Wenn es mal wieder Verspätungen gibt mit der Bahn… Oder im Straßenverkehr, da kann ich schon sehr sauer werden. Ich bin nicht der geduldigste Mensch. Ich bin auch ein ziemlicher Morgenmuffel. Wortkarg und genervt, wenn jemand etwas von mir will.

Sie sind wegen Ihrer Frau nach Hamburg gezogen, obwohl Sie eigentlich mit Leib und Seele Bayer sind. War das für Sie ein schwerer Schritt?
Eigentlich nicht. Es war eine Liebesentscheidung. Aber zum Glück mag meine Frau Bayern auch total gerne, also lässt sich ein Familienbesuch ab und an mit einem kleinen Urlaub verbinden. Und ich fühle mich wohl in Hamburg. Ich kann da sogar im Bayern-Trikot in einer Kneipe in Ottensen Bundesliga schauen… Den nordischen Dialekt mag ich übrigens auch. Und den Humor! Der norddeutsche Humor ist ähnlich trocken wie der bayrische.

Würden Sie gerne irgendwann in Ihre Heimat zurückkehren?
Ich kann mir schon vorstellen, nach Bayern zurückzugehen. Vielleicht nicht gerade in meine Heimatstadt Garmisch-Partenkirchen, dort ist es zwar wunderschön – aber entweder will ich in die Großstadt, mit einem Programmkino um die Ecke und einer Auswahl von Kneipen. Oder richtig Land, ein Weiler mit wenigen Häusern.

In dem Film „Dampfnudelblues“ sprechen Sie bayrisch. In anderen Filmen akzentfreies Hochdeutsch. Was spielen Sie lieber?
Ich spiele gern Dialektfime. Und gerade der bayrische Dialekt hat es raus, mit seinem trockenen Humor Dinge auf den Punkt zu bringen. Allerdings mag ich die Abwechslung, mal auf hochdeutsch und mal auf bayrisch zu spielen.

Und übrigens schaue ich tatsächlich sehr gern auch Filme an, die einen regionalen Bezug haben, der nichts mit Bayern zu tun hat. Ich höre gern den nordischen Dialekt oder auch den berlinerischen. Oft wird eine kleine Geschichte ganz groß, wenn man sie in eine bestimmte Region mit der entsprechenden Sprache verpflanzt.


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