Sardiniens schönste Seiten

Insel-urlaub — Einsame Traumstrände, elegantes Jetset-Flair und Gebirgsdörfer im Dornröschenschlaf: Kein Wunder, dass die Italiener auf der reizvollen Mittelmeerinsel so gern Urlaub machen

Hier finden Sie noch einsame Buchten zum Relaxen

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Der würzige Duft von Wacholder, Salbei und Rosmarin liegt in der Luft, während wir einem schmalen Pfad durchs Dickicht folgen. Kratziges Gestrüpp peitscht an meine Waden, ein Schmetterling flattert auf. Das Zirpen der Zikaden ist das einzige Geräusch, das uns auf dieser kleinen Wanderung begleitet. Wir kämpfen uns durch einen niedrigen Kiefernwald und stehen so unvermittelt am Meer, dass uns fast das Wasser in die Sandalen schwappt. Smaragdgrün leuchtet es bis zum Horizont.

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Kaum breiter als ein Handtuch ist die winzige Bucht, Südseequalität hat der feinkörnige Sand, in den wir uns glücklich fallen lassen. Schnell in die Badesachen geschlüpft, werfen wir uns in die kristallklaren Fluten - Plantschen de luxe: ein Paradies nur für uns, nur für einen Nachmittag.

Denn auf Sardinien zweimal am gleichen Strand zu liegen, grenzt an Verschwendung: Wo sonst hat man die Möglichkeit, jeden Tag ein neues Badejuwel zu entdecken? Ignorant wäre es aber auch, nur im Sand zu dösen und den eingeölten Körper am Stand der Sonne auszurichten. Mein Freund und ich haben uns schließlich vorgenommen, alle Seiten der italienischen Ferieninsel kennen zu lernen. Nach der Landung in Olbia ist unser erstes Ziel Orosei, ein hübsches Fischerdorf an der Ostküste. Direkt vor unserer modernen Hotelanlage erstreckt sich kilometerlang die Küste. Etwas weiter nördlich lockt die von rosa Granitfelsen und Pinienwäldern gesäumte Bucht Cala Liberotto, im Anschluss daran beginnt ein idyllisches Naturschutzgebiet mit verschwiegenen Badeplätzen, die nur durch einen Fußmarsch zu erreichen sind. Genug Abwechslung für Muschelsammler und Sonnenanbeter.

Mit dem Mietwagen sind wir von hier aus schnell im Gebirge. Obwohl die Orte im Osten Sardiniens erstaunlich verschlafen wirken und keine Begleiterscheinungen des Massentourismus zu spüren sind, schlägt das Herz der Insel im Landesinneren. Auf dem ersten Tagesausflug kurven wir durch die Ausläufer der Supramonte-Hochebene in der Barbágia-Region. Knorrige Korkeichen und gelb blühende Kakteen säumen den Fahrbahnrand. Schwindel erregend ist der Blick hinunter auf die kleinen Dörfer und das in allen Azurnuancen schillernde Mittelmeer.

Als wir bei Dorgali das einsame Gebirgsplateau erreicht haben, diskutieren wir kurz, ob wir die Gorruppu-Schlucht durchwandern oder uns auf die Suche nach der sagenumwobenen Ausgrabungsstelle Tiscali machen sollen. Ich plädiere für den Canyon. Obwohl ein großer europäischer Internet-Provider nach der Kultstätte benannt wurde, ist sie laut Reiseführer so schlecht ausgeschildert, dass man sich nur mit ortskundiger Begleitung auf den Weg machen sollte. Zur Gola su Gorruppu folgen wir zunächst bequem einem Flusslauf - doch als wir die Klamm erreichen, bin ich froh um meine robusten Wanderstiefel. Die leichten Turnschuhe hatte mir mein outdoorbegeisterter Freund ausgeredet. Immerhin wagen wir uns in eine der tiefsten Schluchten Europas. Wie Ameisen krabbeln wir nun zwischen riesigen Felsblöcken und bewundern die bizarren Formationen.