Mit welchen Frauen wollen Männer eine Beziehung, mit welchen nur Sex?

Wir haben tausend Fragen an Männer! Michael Nast, Kolumnist und Beziehungsautor aus Berlin, beantwortet uns einige davon. Heute: Was ist der Unterschied zwischen Frauen, mit denen MANN nur ins Bett will und Frauen, mit denen man sich eine Beziehung wünscht

Michael Nast beantwortet auf freundin.de Männerfragen

Michael Nast beantwortet auf freundin.de Männerfragen

Am Freitag hat mir eine meiner Bekannten von einem Mann erzählt, der mit jeder Frau zusammenkommt, die er datet.

"Wie bitte?", sagte ich. "Mit jeder?"
"Er hat gesagt, er gibt jeder Frau eine Chance", erwiderte sie.
"Ist doch ein guter Ansatz."
"Na ja", sagte sie. "Er kommt mit jeder Frau zusammen, auch wenn er spürt, dass es nicht passt. Er probiert es aus, und beendet die Beziehung nach ein paar Wochen oder Monaten, wenn es dann unerträglich wird."
"Obwohl er schon am Anfang weiß, dass es nicht funktioniert?"
"Genau", sagte sie mit einer leichten Verzweiflung in der Stimme.
"Und wie lange wart ihr zusammen", fragte ich, weil ja inzwischen klar war, dass sie ebenfalls eine dieser Frauen war, denen er eine Chance gegeben hatte.
"Na ja", sie sah mich an. "Einen knappen Monat."
"Und danach hat er dann einer anderen eine Chance gegeben?", lachte ich.
"Sozusagen", sagte sie bitter.

Das war der Moment, in dem endgültig klar war, dass mit dem Mann entweder etwas nicht stimmte - oder dass er eine ausgeklügelte Strategie entwickelt hatte, um mit der Frau, die für ihn momentan in Reichweite war, so lange wie möglich Sex haben zu können. Wahrscheinlicher ist Letzteres.

Der Unterschied zwischen Frauen, mit denen ich nur schlafen will, und Frauen, mit denen ich mir eine Beziehung vorstellen kann, setzt sich aus vielen Komponenten zusammen. Es ist ein sich immer neu gewichtendes Zusammenspiel von Attraktivität, Sympathie, Charaktereigenschaften, Ansichten, ihrem Lachen oder ihrer Art, sich zu artikulieren. Die Gewichtung dieser Komponenten verschiebt sich von Frau zu Frau. Das Ergebnis ist immer dasselbe: Entweder stimmt das Grundgefühl - oder eben nicht.
Wenn das Grundgefühl nicht passt, wenn einfach nicht die richtige Stimmung entsteht, hat das nichts mit der Frau zu tun. Sondern mit beiden. Es ist eine Frage, inwieweit man zueinanderpasst, inwieweit man harmoniert. Es ist wie beim Küssen, es gibt eigentlich keine schlechten Küsser, es kommt darauf an, ob man dabei harmoniert.

Aber es ist schon wahr, der erste Eindruck zählt einfach mal. Die ersten Minuten treffen bereits Entscheidungen. Nach der ersten halben Stunde eines Dates ist dann spätestens klar, ob man sich mit einer Frau eine Beziehung vorstellen kann - oder eben nicht. Man könnte jetzt natürlich einwenden, dass diese Haltung ja sehr oberflächlich ist. Man kann sich doch darauf einlassen und sich über einen längeren Zeitraum ansehen, wie sich die Dinge entwickeln. Das klingt natürlich alles sehr schön, aber mit der Realität hat das nicht zu tun. Es sei denn, man ist verzweifelt und befürchtet, keine Frau mehr abzukriegen. Ein Torschlusspanik-Szenario.

Die Frage ist nur, wie man sich verhält, wenn es einem dann klar ist, dass sie eben nicht die Richtige ist. Wenn ich beispielsweise spüre, dass es nicht passt, habe ich spätestens nach dem dritten Treffen ein so scheinheiliges Gefühl, dass es nicht mehr zu einem vierten kommt. Einige werden jetzt einwenden, warum es dann überhaupt zu einem zweiten Treffen gekommen ist. Nun ja. Ich werde jetzt einfach mal aufrichtig sein, obwohl ich mir damit ins eigene Fleisch schneide. Jede Frau, mit der man sich datet und mit der man sich keine Beziehung vorstellen kann, ist trotzdem noch eine potentielle Sexpartnerin. Es sei denn, sie verschreckt einen so sehr, dass man lieber Abstand nimmt, weil man das Gefühl hat, eine unberechenbare Psychopathin in sein Leben zu lassen - wie im Film "Eine verhängnisvolle Affäre".

Aber wenn man unter normalen Gegebenheiten weiß, dass man sich mit der Frau nicht unbedingt eine Perspektive wünscht, kippt das "Ich will mit dir eine Beziehung haben"-Gefühl in einen "Spätestens beim dritten Date muss ich mit ihr geschlafen haben, und danach gucken wir mal, wie lange sie die Fuck-Buddy-Nummer mitmacht"-Ansatz.
Schließlich können auch Frauen, mit denen man auf keinen Fall zusammenkommen möchte, einen unwiderstehlichen Reiz ausüben.

Das große Missverständnis entsteht ja letztlich nur daraus, dass die Männer den Frauen eben nicht sagen, dass sie nicht wirklich an einer Beziehung interessiert sind, weil dann die Chance auf Sex gemindert wird. Und unter uns, den meisten Frauen kommt das sicherlich bekannt vor. So sehr unterscheiden sich die Geschlechter gar nicht. Nur die Gründe sind unterschiedlich. Männer wollen Sex, Frauen gefällt das Gefühl, begehrt zu werden. Und das Gefühl, aussichtslos begehrt zu werden, gefällt ihnen sogar noch wesentlich besser.

Ach ja, dann gibt es natürlich diese Situationen, in denen man betrunken um vier Uhr morgens eine Frau in einem Club kennenlernt. Da geht es natürlich ausschließlich um Sex, auch weil der Alkohol die entsprechende Notgeilheits-Brücke schlägt. Und es ist ja nun mal Realität, dass man in Bars morgens um vier eher selten Traumfrauen begegnet. Oder Traummännern. Die haben um die Uhrzeit nämlich besseres zu tun.

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