10 wichtige Fragen zur Pille

Die Antibabypille gehört zu den sichersten Verhütungsmitteln, die es gibt. Noch immer vertrauen rund 40 Prozent der deutschen Frauen auf sie. Trotzdem gibt es zur Pille immer wieder Studien, die verunsichern. Die einen Forscher melden Krebsgefahr, andere meinen, dass die Pille vor Krankheiten schützen kann. Anlass für uns, Sie auf den aktuellen Stand der Wissenschaft zu bringen

10 wichtige Fragen zur Pille

10 wichtige Fragen zur Pille

Pillen, die kürzlich vom Markt zurückgerufen wurden

Nehmen Sie die Antibabypille bereits? Dann sollten Sie sich bei Ihrem Arzt oder Apotheker informieren, falls Sie das Präparat "Yvette Ratiopharm", "Tevanette“ oder Diamilla" einnehmen. Diese drei Präparate wurden im Oktober 2016 vom Markt zurückgerufen, weil in einige Chargen dieser Pillen (in einem Herstellungsprozess entstandene Tabletten, zu erkennen an der Chargennummer auf der Packung) Verunreinigungen gefunden wurden oder die Haltbarkeit nicht gewährleistet werden kann. Aber erst mal Entwarnung! Die Wirksamkeit der Pille beeinträchtigen diese Mängel nicht. Und es ist auch nicht gefährlich, sie einzunehmen Wichtig: Brechen Sie die Einnahme nicht einfach selbstständig ab! Denn dann verlieren Sie den Schutz der Antibabypille. Sollten Sie aber als Patient betroffen sein, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt oder Apotheker darüber und lassen Sie sich gegebenenfalls eine andere Charge der Pille geben. (Eventuell brauchen Sie dazu leider erneut ein Rezept vom Arzt.)

Wer sollte die Pille nicht nehmen?

Vor allem Raucherinnen sollten eine andere Verhütungsmethode wählen. Denn in der Kombination von Pille und Zigaretten steckt ein erhöhtes Risiko für Thrombosen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Grund: Zum einen verengt das Rauchen die Gefäße. Zum anderen verschlechtert das in der Pille enthaltene Ethinyl-Östradiol die Fließfähigkeit des Blutes. Aus diesem Grund sollte man auch bei zu hohem Blutdruck, hohen Blutfettwerten, familiärer Thromboseneigung oder Übergewicht lieber anders verhüten.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt, um schwanger zu werden? Hier lesen Sie mehr dazu.

Wie lange darf man die Pille nehmen?

"Man kann sie so lange nehmen, wie sich keine negativen Veränderungen im Körper beobachten lassen, die auf die Pille zurückzuführen sind", sagt Prof. Teichmann. Warnsignale, dass die Pille nicht mehr vertragen wird, sind zum Beispiel Durchblutungsstörungen, trockene Scheide, Spannungsgefühle in den Brüsten oder starke Stimmungsschwankungen. Ganz wichtig: Lassen Sie sich regelmäßig, am besten alle sechs Monate, von Ihrem Arzt untersuchen – insbesondere wenn Sie älter als 35 sind. "Aber wenn Sie die Pille gut vertragen und zu keiner Risikogruppe gehören, spricht nichts dagegen, sie bis zum Ende der Fruchtbarkeit zu nehmen."

Macht die Pille tatsächlich dick?

"Ja. Es gibt leider Pillen-Anwenderinnen, die nicht nur mehr Wasser einlagern, sondern auch an Fettgewebe zunehmen", sagt Prof. Teichmann. Für diese Frauen ist es natürlich kein Trost, dass andere Frauen mit dem gleichen Präparat sogar abnehmen – was bei den heutigen Mikropillen durchaus möglich ist. Laut einer EMNID-Umfrage haben 12 Prozent der Frauen die Pille sogar ganz abgesetzt, weil sie zugenommen haben. Wer Gewichtsprobleme hat, sollte sich am besten von seinem Frauenarzt beraten lassen. Es könnte beispielsweise sein, dass anders zusammengesetzte Pillenpräparate oder andere Verhütungsmethoden, etwa die wesentlich niedriger dosierte Hormonspirale, besser vertragen werden.

Wie verändert die Pille die Lust?

Eine Studie der italienischen Universität Catania kam zu dem Schluss, dass eine Pille mit dem Inhaltsstoff Drospirenon die Libido pusht. Die Teilnehmerinnen gaben an, mehr Orgasmen und allgemein besseren Sex zu haben. Auch Prof. Teichmann hält es grundsätzlich für möglich, "dass es Substanzen gibt, die sich positiv auf die Stimmung und damit auch auf die Libido auswirken." Allerdings bezweifelt der Experte, dass nur die Hormone für die Luststeigerung verantwortlich sind: "Da spielen die Psyche und die Lebenssituation der Frauen doch auch eine große Rolle. Und diese Faktoren sind mit den üblichen Studien nicht objektiv messbar."
Wissenschaftlich erwiesen ist dagegen, dass die Pille bei manchen Frauen auf die Laune schlägt und damit auch auf die Lust. Bei empfindlichen Patientinnen kann es sogar zu Depressionen kommen. Hier kann der Frauenarzt helfen. Oft reicht es schon aus, dass er ein Präparat mit einer anderen Hormonzusammensetzung verschreibt.

Kann die Pille Migräne auslösen?

"Das ist möglich", sagt Prof. Teichmann. "Die Pille kann aber auch Migräne vorbeugen. Meist ist das der Fall, wenn die Kopfschmerzen typischerweise im pillenfreien Intervall auftreten." Auslöser für den Schmerz ist dann meist die nachlassende Wirkung des in der Pille enthaltenen synthetischen Östrogens Ethinyl-Östradiol. "Hier empfiehlt sich der Langzeitzyklus", so Prof. Teichmann. Wer Probleme mit Migräne hat, sollte sich von seinem Frauenarzt beraten lassen.

Ist der Langzeitzyklus unschädlich?

Keine lästigen Monatsblutungen mehr – das klingt traumhaft! Laut einer EMNID-Studie würden 71 Prozent der Frauen gern auf ihre Tage verzichten. Das ist heute kein Problem mehr: Man schluckt das 21-Tage-Präparat durchgehend, ohne die einwöchige Pause, schon bleibt die Periode aus. Nur, ist das gesund? Professor Teichmann: "Wenn man die Antibabypille ohne Unterbrechung einnimmt, hat dies auf die Gebärmutterschleimhaut eine ähnliche Wirkung wie eine Schwangerschaft. Also kann man davon ausgehen, dass es kein Schädigungspotenzial gibt. Alle vorliegenden Studien bestätigen dies auch."
Funktioniert der Langzeitzyklus mit allen Präparaten? "Prinzipiell mit allen Einphasen-Pillen, die in jedem Dragee die gleiche Hormondosis haben." Am besten sind jedoch gestagenbetonte Präparate, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Diegonest oder Drospirenon, denn durch sie baut sich weniger Gebärmutterschleimhaut auf.

Kann die Pille vor MS schützen?

Eine Analyse von US-Forschern aus Boston ergab, dass bei Frauen, die mit der Pille verhüten, das Risiko, an multipler Sklerose (MS) zu erkranken, um 40 Prozent geringer ist. Verantwortlich dafür sind vermutlich die in der Pille enthaltenen Östrogene. Die Wissenschaftler glauben, dass sie die Entstehung und den Krankheitsverlauf verzögern. Ein beachtlicher Nebeneffekt, denn MS ist die häufigste entzündliche Krankheit des zentralen Nervensystems bei jungen Erwachsenen. Prof. Teichmann dämpft den Optimismus. Seiner Meinung nach fehlen für den sicheren Nachweis noch große Feldstudien.

Wie hoch ist die Krebsgefahr?

Erst im Sommer sorgte eine Meldung der Weltgesundheitsorganisation für Aufregung. Demnach sollen in der Pille Stoffe enthalten sein, die krebsauslösend sind. Viel Lärm um nichts, so der Hormonexperte Wilhelm Braendle vom Hamburger Universitätsklinikum: "Im Vergleich dazu stecken in jeder Tasse Kaffee 50-mal mehr krebsauslösende Substanzen."Auch Professor Alexander Teichmann, Chef der Frauenklinik Aschaffenburg, beruhigt: "Es gibt ausreichende Daten, die diese Sorge weitgehend als unbegründet erscheinen lassen. Auch in der bislang größten Brustkrebsstudie mit 5600 jungen Frauen konnte kein erhöhtes Risiko durch die Pille festgestellt werden."
Noch nicht völlig geklärt ist jedoch, ob die orale Verhütung mit Hormonen in Verbindung mit Gebärmutterhalskrebs gebracht werden kann. "Doch für diese Krebsart gibt es eine wirksame Früherkennung durch regelmäßige Abstrichuntersuchungen oder neue Virus-Tests", sagt Prof. Teichmann. Deshalb sollte man alle sechs Monate zum Frauenarzt gehen.
Die gute Nachricht: Die Pille kann das Risiko für Eierstock- und Gebärmutterschleimhautkarzinome deutlich senken. Der Schutzeffekt ist umso größer, je länger die Hormone genommen werden. Er hält bei Gebärmutterschleimhautkrebs bis zu 15 Jahre, bei Eierstockkrebs sogar bis zu 20 Jahre nach Absetzen des Verhütungsmittels an. Außerdem, so Prof. Teichmann: "Vieles spricht dafür, dass durch die Pille auch das Dickdarmkrebsrisiko geringer wird."

Kann die Pille die Wechseljahre hinausschieben?

Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen – das alles sind Anzeichen für die nahenden Wechseljahre. Wer fortwährend die Pille nimmt – sei es im Kurz- oder Langzeitzyklus -, bemerkt diese hormonellen Veränderungen nicht und erspart sich damit die unangenehmen Beschwerden. Wie Prof. Teichmann bestätigt, lassen sich mit der Pille zwar die Wechseljahrprobleme unterdrücken, den Zeitpunkt des Klimakteriums aber kann man per Pille nicht hinausschieben. Ob dann nach dem Wechsel zum Beispiel eine Hormontherapie in Frage kommt, muss von Fall zu Fall individuell mit dem Frauenarzt geklärt werden.

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