Verliebt in zwei Männer: Was soll ich tun?

Verliebt in zwei Männer oder: alles nur eine Phase? Frauen vergeben ihre Liebe am liebsten exklusiv, während Männer instinktiv ihre Gene möglichst überall verteilen. Das liegt angeblich in unserer Natur - oder stimmt das gar nicht?

Verliebt in zwei Männer

Verliebt in zwei Männer

Trotzdem pfeifen Frauen immer wieder auf die evolutionäre Mission und empfinden das, was man im klassischen Sinne als Liebe bezeichnet, für zwei Männer zur selben Zeit. Oder sie glauben zumindest, das zu tun, wie die wohlgemeinte Meinung der betroffenen Freundinnen ist. Doch diese evolutionäre Dummheit ist real, extrem komplex und richtig schwer zu lösen. Wie kann man sich zwischen zwei Männern entscheiden, die beide Vor-, Nachteile und jeweils bestimmte, konträre Funktionen bedienen? Wenn man es selbst nicht kann, wird früher oder später das Leben genau das tun – entscheiden, und dann mit voller Wucht und hohen Wellen.

Ich liebe zwei Männer – Ein Leben zwischen Beziehung und Affäre

Man sieht ihr nicht an, dass sie ein Geheimnis hat. Ein Geheimnis, das ihr Leben bestimmt. Claudia (29) hat seit einem Jahr eine Affäre neben ihrer Beziehung. Erschwerend kommt hinzu: Ihr fester Freund muss sich Claudias Herz mit der Affäre teilen, denn sie liebt beide Männer – irgendwie. Sie jongliert zwei verschiedene Welten und wirkt doch wie eine Frau, die mit sich im Einklang ist. Freund, Haus, Hund, Karriere in einem Leben – Abenteuer und Aufregung in der Parallelwelt. Kann das gut gehen?

Mit ihrem Freund Manuel war sie bereits vier Jahre zusammen, als der „Neue“, Stefan, auftauchte. Auf einer Hochzeit, zu der sie alleine ging, da ihr Freund beruflich verhindert war. Aus einem Cappuccino am Nachmittag wurden ausgedehnte Restaurantbesuche und schließlich ganze Wochenenden, die sie zusammen in fremden Städten verbrachten. Der klassische Verlauf einer verhängnisvollen Affäre. Und es blieb dabei, für lange Zeit.

Mit der Zeit entwickelte sie auch für Stefan Gefühle, Gefühle der anderen Art: Der feste Freund sichert die behagliche Stimmung daheim, während der Liebhaber sie zum Essen ausführt und den Adrenalinspiegel hochhält. "Man gewöhnt sich daran, dass man zwei verschiedene Leben lebt, oft war es aber schon schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen", gibt Claudia zu. Diese Spaltung geht eine Weile ganz gut, auch weil Claudia es hervorragend versteht, sich abzulenken. Sie will immer nur den Moment genießen und am liebsten gar nicht an Morgen denken – oder an später, wenn sie wieder neben ihrem Freund im Bett liegt, der keine Ahnung von ihrem Doppelleben hat.

Nur für den Moment zu leben, ist eigentlich eine gute Eigenschaft, denn das Leben ist ja bekanntermaßen kurz und kann schnell vorbei sein. In Liebesdingen ist zu viel Momentgefühl aber vielleicht hinderlich – nicht nur evolutionsbedingt. Es kann auf Dauer unglücklich machen. Zukunftsorientierung ist ein Faktor, der in der „Happyness“-Psychologie enorm wichtig ist. Ist uns die Zukunft unwichtig, beeinflussen selbstzerstörerische Tendenzen leichter unser Verhalten. Und diese Tendenzen verhindern naturgemäß Selbstverwirklichung und Lebensglück. Also, ab und zu auch an Morgen denken!

Das schlechte Gewissen und warum überhaupt

Dann ist da noch die Sache mit dem schlechten Gewissen. Obwohl Claudia sagt: „Meistens überwiegt das spannende Gefühl und man kann eigentlich ganz gut damit leben“, gibt es auch düstere Momente, in denen sie ihr Verhalten ihrem Freund Manuel gegenüber anders reflektiert.

Machen Sie den Test! Auf welchen Typ Mann fliegen Sie?

"Er war immer gut zu mir, hat mir nie etwas getan und ich behandle ihn so schlecht." Dann fühlt sie sich mies, kaltherzig und undankbar, dass ihr eine Liebe nicht genug erscheint. Und so aufregend es auf der einen Seite ist, immer nach Schlupflöchern zu suchen und sich heimlich in Hotelzimmern zu lieben, umso erdrückender ist es, wenn die Erkenntnis sich aufdrängt, dass man lügt, betrügt und Herzen mordet.

Vielleicht ist das ein typisch weibliches, perfektionistisches Problem, das so schlimm nicht wäre, wären wir nicht alle so scheinheilig. Umfragen ergeben, dass bis zu 76 Prozent der Amerikaner einmal in ihrem Leben untreu sind. In Deutschland ist das Bild nicht anders. Beinahe jede zweite deutsche Frau ist schon einmal fremdgegangen. Die Mehrheit hat keine One-Night-Stands, sondern ausgewachsene Beziehungen, die über Monate andauern.

Auch wenn die Mehrheit der Menschen sich als monogam und treu sehen möchte, sie ist es nicht. Uns wird von Kindesbeinen an beigebracht, wie eine Liebesbeziehung à la Vater-Mutter-Kind auszusehen hat. Durch Religion, Tradition oder Bürgerlichkeit wird keine andere Version zugelassen. Und wenn es dann passiert, wenn man sich verliebt, ist das Ganze höchst verwirrend und konfus. Manche Wissenschaftler schieben das Gefühls-Wirrwarr auf die Hormone. Das Östrogen Östradiol soll verantwortlich sein, wenn frau sich neben ihrem festen Partner in einen weiteren Mann verliebt. Zumindest trifft dies häufiger bei Frauen mit hohem Östradiol-Spiegel zu, das belegen Studien.

Jedoch eine zu simple Erklärung und wenig hilfreich, wenn es darum geht, das Gefühlchaos zu entzerren und zu einer Entscheidung zu kommen (falls man das überhaupt will). In Claudias Fall ist die Angst vor der falschen Entscheidung zu groß. Sie hat sich selbst zur Untätigkeit verdammt. "Bevor ich mir nicht hundertprozentig sicher bin, wen ich mehr liebe und wer der Richtige für mich ist, kann ich nichts entscheiden!" Es hängt ja auch viel davon ab. Das aufgebaute Leben mit dem Freund, Jahre der Beziehung wegzuschmeißen für etwas, was gar nicht sicher funktioniert. Denn wer weiß, ob der Liebhaber im wirklichen Leben auch noch so faszinierend ist wie als geheime Liaison. Das Spiel wird so lange weitergehen, bis entweder der Freund es herausfindet oder der andere genug von dem Theater hat. Oder sie wacht eines Tages auf und weiß, was sie will. Es ist eben, wie vieles im Leben, nur eine Phase.

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Teil 2: eine Frau, zwei Männer – Tipps, die die Entscheidung erleichtern könnten

Teil 3: Polyamorismus – Vielliebe als Lebensentwurf

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