Ticken die noch ganz richtig?

Die psyche des mannes — Was in Männern vorgeht, ist uns oft rätselhaft. Gut, dass die Neuropsychologin Louann Brizendine jetzt die Geheimnisse des männlichen Gehirns entschlüsselt hat

Wir haben es schon immer gewusst: Männer haben ein anderes Betriebssystem als Frauen. Während sie stundenlang gebannt Formel 1 gucken können, gähnen sie bereits beim ersten Filmkuss. Statt über große und kleine Gefühlsaufwallungen zu sprechen, jammern sie lieber über die Entwicklung ihres Heuschnupfens. Und obwohl sie die Bundesliga- Ergebnisse der letzten 20 Jahre auswendig kennen, vergessen sie immer wieder ihren Hochzeitstag ... Dass diese geschlechtsspezifischen Unterschiede keine Einbildung sind, beweist die amerikanische Neuropsychologin und Autorin Louann Brizendine. Nachdem sich die Forscherin in ihrem ersten Buch mit dem weiblichen Gehirn beschäftigt hat, liefert sie nun in "The male brain" (die deutsche Übersetzung "Das männliche Gehirn" erscheint am 14. Mai bei Hoffmann und Campe und kostet 20 Euro) Einblicke in die Realität der Männer. Sie erklärt, wie Hormone bereits im Mutterleib auf das Gehirn des ungeborenen Kindes einwirken und dadurch typisch männliche oder weibliche Denkweisen aktivieren. Neben der Erziehung, kulturellen Prägungen und Erfahrungen beeinflussen sie das Verhalten ein Leben lang und erklären so manches Männermysterium ...

Männer lieben Actionfilme
Sylvester verprügelt Schurken, bis man Knochen brechen hört, und Bruce sprengt Straßenzüge mit solchem Karacho in die Luft, dass man um sein Trommelfell fürchten muss. Während auf der Leinwand das Inferno tobt, mampft der Mann an Ihrer Seite gemütlich Käse-Nachos in sich rein. Wenn Arnie ein ganzes Waffenarsenal um die Ohren fliegt, zuckt er nicht einmal mit der Wimper. In Filmen kann es Männern anscheinend nicht blutrünstig und brutal genug zugehen. Tatsächlich lässt sich diese Vorliebe auf hormonelle Veränderungen in der Pubertät zurückführen. Der raketenartige Anstieg des Testosterons fixiert das männliche Gehirn in dieser Zeit derart auf Sex, das vieles andere schlichtweg auf der Strecke bleibt. Etwa die Schaltkreise, die uns Frauen beim Anblick von Gruselszenen in Angst und Schrecken versetzen. Um diese Areale im pubertierenden Männerhirn zu stimulieren, bedarf es deshalb eines Ereignisses von der Größe des Urknalls – zumindest auf dem Bildschirm. Im Erwachsenenalter normalisiert sich die Empfindsamkeit dieser Bereiche zwar wieder; bis dahin ist aus der Notwendigkeit aber längst Gewohnheit und aus brennenden Autos eine normale Samstagabend-Unterhaltung geworden.