Geld oder Liebe?

Kolumne — … ist eine unbequeme Frage. Irgendwie brauchen wir schließlich beides, um uns wirklich glücklich zu fühlen: einen tollen Job und einen tollen Partner. Problemlos vereinbar ist beides allerdings nicht immer. Oder etwa doch?

Geld oder Liebe?

Geld oder Liebe?

Erinnern Sie sich noch an die ARD-Sendung „Geld oder Liebe?“? Genau: Diese Samstagabend-Show mit Jürgen von der Lippe, der nicht nur in seinen typisch bunten (No-Go-)Hemden zu unterhalten wusste, sondern seine Show-Singles auf sehr unterhaltsame Weise immer wieder vor eben diese namensgebende Frage stellte. Am Ende mussten sich die Kandidaten entscheiden und entweder das Geldsack-Täfelchen oder das Herz-Täfelchen in die Kamera halten. Die letzte TV-Ausgabe der Show lief im Jahr 2001 – meine letzte Privat-Ausgabe der Show gut fünfzehn Jahre später, in der vergangenen Woche im Jahr 2016.

Aber fangen wir vorne an: Seit einem halben Jahr führen mein Partner und ich eine Fernbeziehung und entsprechend sind die Wochenenden für die Liebe reserviert. In meinem Job genieße ich den entscheidenden Vorteil, arbeiten zu können, wo ich möchte und wo ein Internetanschluss vorhanden ist. Beide Voraussetzungen sind nicht nur in meinem „Home Office“ erfüllt, sondern auch in der Wohnung meines Partners. Und so kommt es durchaus häufig vor, dass aus dem zweitätigen Wochenende ein verlängertes wird und ich montags und freitags in den vier Wänden meines Liebsten meiner beruflichen Tätigkeit nachgehe.

Mittlerweile haben wir uns mit dieser etwas ungewöhnlichen Situation arrangiert. Und wir kommen damit klar – wenn nicht Ausnahmen unsere Fernbeziehungsregel stören. So wie am vergangenen Wochenende. Mein Partner wollte einen alten Schulfreund in der Ferne besuchen. Ergo: Bye-bye, Wochenend-Kuschelei! Während er im Geiste schon Reisetasche und Bierkasten ins Auto stellte, suchte ich nach einer Lösung, wie wir beide uns trotzdem zeitnah sehen konnten. Mein sodann folgender Vorschlag führte ihn im allabendlichen Telefonat jedoch zu dieser Verbalreaktion: „Aber wenn du dann Montag kommst und die ganze Woche bei mir bist, bringt das doch nichts. Du arbeitest dann ja eh die ganze Zeit...“ Vor meinem inneren Auge reichte mir Jürgen von der Lippe in genau diesem Moment persönlich die beiden Täfelchen und stellte mich inmitten der 90er-Jahre-Studiokulisse vor die Entscheidung: Na? Geld oder Liebe? Der Mann (und ich meine jetzt nicht Jürgen von der Lippe) erwartete plötzlich eine Entscheidung von mir: ‚Willst du arbeiten oder willst du mich sehen? Du musst dich entscheiden – denn alles kannst du nicht haben!‘, war der Subtext, der da in der Reaktion meines Partners mitschwang. Eine fiese Nummer! Wie soll man sich denn bitte zwischen (Über-)Lebenszufriedenheit und Liebeszufriedenheit entscheiden?

Es gibt in jeder Beziehung einen Moment, in dem man Verhandlungsgeschick beweisen muss. Meiner war in dieser „Geld oder Liebe?“-ähnlichen Beziehungs-Show-Minute gekommen. Und er war nur mit einem prinzipiell einfachen, aber gar nicht so leicht auszuhandelnden Kompromiss zu lösen: „Ich muss dich sehen, weil mich das glücklich macht“, begann ich meine Ansprache. „Aber ich muss auch arbeiten, weil mich das ebenso glücklich macht. Pass auf: Ich versuche, meine To-Do‘s von morgens bis nachmittags durchzurocken und stehe dir den restlichen halben Tag zur Verfügung.“ Mit diesem simplen Kompromiss versetzte ich nicht nur dem imaginär mit seinen Täfelchen vor mir herwedelnden Jürgen von der Lippe einen Tritt in den A…. llerwertesten. Sondern auch dem ewiggleichen Konflikt. Denn am Ende ist es doch so: Beziehungen sollten Zufriedenheit schenken, statt sie einzugrenzen. Und mit in einer Partnerschaft sollte man nicht Entscheidungsfreude an den Tag legen müssen, sondern in erster Linie Kompromissbereitschaft. Man kann tatsächlich nicht alles haben – aber zumindest von allem ein bisschen…

Ihre Meinung: Kann man Geld und Liebe vereinbaren?

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Ja, man kann beides miteinander vereinbaren - man muss nur wissen, wie.

Nein, irgendwann muss man sich entscheiden - alles andere ist naives Wunschdenken.

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